Lerneinheit 3 - Marktforschung und Entwurf der Geschäftsidee

4. EINE MARKE AUFBAUEN

Eine Marke aufzubauen ist einerseits eine Wissenschaft für sich, andererseits ist es eigentlich “nur” ein Nebenprodukt eines intelligenten Geschäftskonzepts.

Heute gilt jedoch in manchen Kreisen schon der Grundsatz, dass jede Innovation, jede neue Geschäftsidee von der Marke ausgedacht werden sollte. Das ist auch nicht verkehrt. Von der Marke aus zu denken bedeutet, dass man von Anfang an ein ganzheitliches Geschäftskonzept entwickelt, das nach innen und außen stimmig ist und wo zu jeder Zeit klar ist, wofür dieses Business steht.

Der erste Ansatz dafür ist – nach einer allgemeinen Prüfung der ökonomischen Tragfähigkeit Deiner Geschäftsidee (also ob Du damit Geld verdienen kannst) - bereits die Marktforschung. Mit ihr hast Du ja bereits festgestellt, wer Dein Produkt kaufen könnte und warum bzw. worauf es Deiner Zielgruppe ankommt.

Bei einer Marke denken viele zunächst an das Logo und eine schicke Website. Eine Marke ist jedoch viel mehr als nur ein Logo. Eine Marke zu sein bedeutet, echten Wiedererkennungswert zu haben, weil Du bestimmte Werte und Alleinstellungsmerkmale verkörperst.

Mindestens ebenso wichtig wie die optische Gestaltung ist also die Frage, was Dich besonders macht und wofür Du stehst. Dabei ist oft die Rede davon, dass eine Marke buchstäblich merk-würdig sein muss. Sie muss es also wert sein, dass man sie sich merkt. Das klingt vielleicht erstmal banal, ist es aber gar nicht.

Wenn Du nicht gerade ein einzigartiges, völlig neues Produkt anbietest, gibt es im Zweifel bereits andere, die etwas Ähnliches anbieten. Wie kannst Du nun Menschen klar machen, dass sie Dein Produkt kaufen (bzw. Deine Dienstleistung in Anspruch nehmen o.ä.) sollen?

Ein Beispiel: Wenn Du einen türkischen Imbiss aufmachst, gibt es davon wahrscheinlich schon einige. Dass Du “original türkische Küche” anbietest, wird also nicht mehr wirklich eine USP (Unique Selling Point, zu Deutsch: Alleinstellungsmerkmal) sein.

Wichtig ist also, dass Du Dir schon bevor Du überhaupt startest, Gedanken machst, was Dich von den anderen Anbietern (wirklich!) unterscheidet. Auch für einen Businessplan ist das unerlässlich.

Was heißt aber wirklich unterscheiden? Das ist immer eine Gratwanderung. Realistisch betrachtet ist es natürlich so, dass kaum jemand wirklich eine einzigartige Innovation hat. Wer aber den zehnten Friseursalon in seinem Viertel eröffnet, muss aber schon mehr als USP bieten als:

  • alle Topschnitte der Saison
  • Termin ohne Voranmeldung
  • Waschen&Schneiden ab 10€

In der Praxis sieht das zwar oft so aus – mit einem klugen Markenkonzept hat das jedoch nichts zu tun. Warum sind manche Betriebe trotzdem erfolgreich mit der 100. Kopie derselben Geschäftsidee? Weil die Nachfrage hoch genug ist. Dann, und nur dann, kann so etwas funktionieren. Gerade, wenn man eine Förderung (z.B. einen Gründungszuschuss) bekommen möchte, wird aber in der Regel schon scharf darauf geschaut, ob der Betrieb über hinreichend USPs verfügt.

Wer im Bereich Social Heritage gründet, hat es da manchmal leichter, da sich dort oft noch nicht allzu viel Konkurrenz tummelt. Angenommen also, wir wollen ein Treidelschifffahrtsmuseum eröffnen, bei dem Besucher entlang der alten Treidelrouten ein Stück treideln können, so gibt es (vermutlich) noch nicht allzu viel Konkurrenz. Die USP ist dann leicht gefunden:

Wir sind das einzige Treidelmuseum zum Mitmachen in ganz Norddeutschland (wenn das dann stimmt).

Aber Achtung: Nie vergessen - ein Alleinstellungsmerkmal zu haben, bedeutet noch nicht, dass es sich um eine tragfähige Geschäftsidee handelt. Vielleicht interessiert sich niemand dafür. Vielleicht ist es zu teuer. Vielleicht ist es rechtlich problematisch. Es gibt immer mehrere Faktoren zu berücksichtigen.

Selbst, wenn man eine USP hat, bedeutet das nicht, dass man es dabei bewenden lassen muss. Weitere Punkte können hinzukommen, zum Beispiel:

  • Bei uns gibt es nur Speisen, die es auch zu Zeiten der Treidelschifffahrt gab.
  • Wir sind um Nachhaltigkeit bemüht: Es gibt kein Plastikgeschirr etc.

Das Logo sollten diese Werte verkörpern. Am besten erstellst Du Deiner Grafikerin oder Deinem Grafiker ein Briefing, woraus es bei Deiner Marke besonders ankommt. Wie das genau geht, lernt Du im Praxisworkshop diese Woche.